Erbost über Regulierung

26.06.2014|SWP Ehingen (Doris Moser)

Alles liefe bestens, wenn die regionalen Banken nicht unter einer Flut von Vorgaben und Kontrollen ächzten. Dies raube Zeit, ärgerte sich Raiffeisenbank-Vorstand Fritz Lehmann bei der Generalversammlung.

"Manchmal packt mich der Zorn, wenn ich daran denke, dass die staatliche Bankenregulierung unserer Raiffeisenbank immer neue Belastungen auferlegt und wir in einen Topf geworfen werden mit den Casino-Banken Europas, obwohl die regionalen Banken die Finanzkrise nicht verursacht haben", redete Vorstandsvorsitzender Fritz Lehmann bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß vor rund 600 Besuchern in der Lindenhalle Klartext.

Es sei fraglich, ob unter heutigen Bedingungen Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch noch eine Genossenschaftsbank gründen könnten, wies Lehmann auf die seiner Meinung nach ausufernden Vorschriften, Auflagen, Gesetze, Eigenkontrollen und die jetzt zusätzlich installierte Bankenaufsicht hin. "Wir kleinen Banken brauchen eine Regulierungspause, um den bisherigen Anforderungen überhaupt nachzukommen", forderte er. In Brüssel seien die regionalen deutschen Genossenschaftsbanken und Sparkassen unbekannt, es sei Aufgabe der Politik, dies zu ändern und die Belastungen entsprechend abzuwägen.

Zur viel diskutieren Kreditklemme, die vor allem den Mittelstand verunsichert, sagte Lehmann den regionalen Firmen zu, dass sie bei der Raiffeisenbank keine Klemme befürchten müssen. "Wir stehen zu unserer Verantwortung als regionale Bank und geben unsere Einlagen als Darlehen in der Region aus", sagte er und warnte: "Wir alle müssen aufpassen, dass wir mit zu straffen Regeln nicht den Mittelstand absägen und damit den Ast, der unsere Wirtschaft trägt."

Mit insgesamt 82 000 Euro Spenden hat die Raiffeisenbank 2013 soziale Zwecke von Vereinen und Institutionen in der Region unterstützt. Weiter werden vom Gewinn 328 138 Euro als Dividende ausgeschüttet, an die 103 Mitarbeiter bezahlte die Bank mehr als 5,5 Millionen Euro Gehälter und ans Finanzamt gingen 1,5 Millionen Euro Steuern. Diese Beträge kämen der ganzen Raumschaft zugute, sagte Lehmann und appellierte, die heimischen Firmen zu unterstützen und in der Region intensiver zusammenzustehen. Mit 16 Zweigstellen zwischen Arnegg, Schaiblishausen, Obermarchtal und Frankenhofen fühlt sich die Raiba nahe bei den Kunden.

Trotz der zeit- und kräfteraubenden Begleiterscheinungen durch die regulatorischen Folgen der Staatsschuldenkrise im Alltagsgeschäft habe die Raiffeisenbank wieder ein gutes Geschäftsjahr 2013 bilanziert, wies Vorstandskollege Klaus Hofmann auf die Zuwachsraten in allen Sparten des Geldgeschäfts hin. Über die Zahlen haben wir bereits im Vorfeld der Versammlung berichtet. Für 2013 schüttet die Raiba nochmals 5,5 Prozent Dividende aus, im laufenden Jahr gerät jedoch der Ertrag bei anhaltend niedrigen Zinsen weiter unter Druck. 2014 ist für die Raiba ein Jubiläumsjahr, denn vor 50 Jahren schloss sich eine Anzahl kleinerer Spar- und Darlehenskassen und Raiffeisenbanken im Umland zur Raiffeisenbank Ehingen zusammen unter Regie des damaligen Vorstandes Albin Beck. Das Jubiläumsjahr will die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß mit 8888 Mitgliedern krönen. Ende 2013 waren es noch 8722. Sie halten ein Geschäftsguthaben von sechs Millionen Euro und tragen damit zu den soliden Strukturen der Genossenschaftsbank bei.

Einen verstärkten Drang zu Fusionen in der Region stellte Klaus Hofmann fest, neuerdings sei die Ehinger Volksbank mit der Raiffeisenbank Donau-Iller verschmolzen. Mit beiden Banken habe die Raiffeisenbank gute Geschäftsbeziehungen gepflegt und werde dies auch mit der neuen Donau-Iller-Bank so halten. Die Raiba stehe aber nach wie vor zu ihrer Vision 2018, wonach sie sich als eigenständige Bank im regionalen Wirtschaftsgefüge behaupten wolle. "Sollten wir eines Tages aus betriebswirtschaftlichen Gründen oder wegen aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen über neue Strukturen nachdenken müssen, ist aus meiner Sicht die andere, ebenfalls erfolgreiche Genossenschaftsbank in Ehingen ein natürlicher Ansprechpartner", bezog Hofmann Stellung und machte damit eine klare Ansage. Derzeit seien solche Überlegungen aber nicht geboten.

Zügig wurden unter Regie des Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Reck die Regularien abgewickelt. Der Prüfungsbericht wurde einstimmig gebilligt, ebenso der Jahresabschluss mit der Gewinnverwendung. Ebenfalls einstimmig wurden Vorstand und Aufsichtsrat entlastet, geleitet von Oberbürgermeister Alexander Baumann. "Ein so guter und stabiler Partner wie die Raiffeisenbank wird von unserer Wirtschaft und von den Kommunen gebraucht", betonte Baumann und lobte deren soziales und gesellschaftliches Engagement. Für weitere drei Jahre wurden folgende Aufsichtsräte in ihren Ämtern bestätigt: Georg Fuchs (Obermarchtal), Hans Mößlang (Niederhofen), Karl Münch (Dächingen), Bruno Stemmer (Granheim), Josef Willbold (Erbstetten) und Gerlinde Zagst (Ringingen).

Mit Deutschland-Fähnchen stimmen sich die Raiba-Vorstände Fritz Lehmann und Klaus Hofmann und der Aufsichtsratsvorsitzende Franz Reck (von links) mit dem früheren Nationalspieler Christoph Metzelder auf die Fußballrunde bei der Generalversammlung ein. (Foto: Doris Moser)