"Für Klinsmann zählt nur der Sieg"

26.06.2014|SZ Ehingen (Nina Merkle)

Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder plaudert in Ehingen über die Fußball-WM

Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat Christoph Metzelder noch selbst auf dem Platz gestanden. Fast genau ein Jahr nach Ende seiner Profifußballkarriere beobachtet er den deutschen Kader in Brasilien vom Sofa aus. Am Dienstagabend hat der ehemalige Innenverteidiger der Nationalmannschaft in der Lindenhalle in Ehingen seine Prognose für den Ausgang des Turniers in Südamerika gegeben. Bei der Mitgliederversammlung der Raiffeisenbank stand er den Moderatoren des Abends, SZ-Lokalchef Tobias Götz und Nina Möllering, Rede und Antwort.

Profi bei Dortmund, Schalke und Real Madrid

Seit seinem sechsten Lebensjahr ist der heute 33-Jährige verrückt nach Fußball. Er spielte für Dortmund, Schalke und Real Madrid. Klar, dass er auch die Weltmeisterschaft "intensivst mitverfolgt". Fast jedes Spiel hat er bisher gesehen. "Nur bei den Spielen um Mitternacht bin ich teilweise eingeschlafen", gibt Christoph Metzelder zu.

2006 hat er eine bittere Niederlage erlebt. Das verlorene Spiel gegen Italien bedeutete das WM-Aus für die Elf im Halbfinale im eigenen Land. Trainer Klinsmann hatte die Mannschaft wochenlang auf das Turnier eingeschworen. Die Fußballer wollten den Pokal. Da kam das Tor der Italiener in der Nachspielzeit. "Eigentlich haben beide Mannschaften nur auf das Elfmeterschießen gewartet und dann kam dieses Tor", erinnert sich Metzelder noch heute mit Schrecken. Denn seit dem Sieg gegen Argentinien im Viertelfinale habe die Elf vom Titel geträumt. Abgeschottet im Hotel hat die Nationalmannschaft fast nichts von der Stimmung im Land mitbekommen. Als dritter Sieger standen sie dann nach der Endrunde am Brandenburger Tor. "Wir waren überwältigt von den Massen und wurden gefeiert wie die Sieger", resümiert der Ex-Profi. "Das war der krönende Abschluss und hat der Einheit des Landes gut getan." Wenn am Donnerstag seine ehemaligen Teamkollegen auf dem Platz stehen, wird er besonders genau hinschauen. Mit vielen der aktuellen Stars wie Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger, Miro Klose, Lukas Podolski und Philipp Lahm hat er 2006 mitgekämpft und mitgelitten. Der jetzige US-Trainer Jürgen Klinsmann hat damals die Deutschen trainiert. Am Donnerstag steht Klinsmann an der Linie und feuert die deutschen Gegner an. "Ich glaube, dass Jogi Löw und Jürgen Klinsmann nach der Gruppenauslosung die Kommunikation untereinander eingestellt haben", vermutet Metzelder. Dass es Absprachen zwischen den Trainern gibt, hält er für unwahrscheinlich. Denn "für Klinsmann zählt nur der Sieg, da gibt es keine taktischen Spielchen."

Dass sich die Deutsche Elf mit Ghana schwer getan hat, wundert Christoph Metzelder nur wenig. Die Afrikaner hätten demütig gearbeitet und seien immer dem Ball hinterher gejagt. "Jede Konterchance wurde verwertet. Das tut weh, ist aber gegen eine Mannschaft wie die Deutsche effektiv. Mannschaften wie Portugal, die ein ähnliches System spielen wie wir, liegen uns da eher."

Trotzdem hofft er, dass die Nationalelf aus ihrem Potenzial Kapital schlägt. Wenn zum hohen Ballbesitz noch die Passgenauigkeit dazukomme, sei alles möglich. "Löw hat eine Mannschaft mit dem Talent der Elf von 1974."

Für den Gesamtausgang wünscht sich Christoph Metzelder natürlich einen deutschen Sieg. "Mein Herz wünscht sich das. Aber ich sehe ein kleines Fragezeichen bei den Außenverteidigern." Die Südamerikaner seien jedoch kämpferischer, vermutet der Ex-Profi. Von den asiatischen und afrikanischen Mannschaften sei er enttäuscht.

Fritz Lehmann (v.l.), Christoph Metzelder, Klaus Hofmann und Franz Reck hoffen auf einen Sieg der Deutschen Elf. SZ-Fotos: meni

Nina Möllering von "Wir sind Ehingen" und Tobias Götz, SZ-Lokalchef (rechts), im Gespräch mit Ex-Fußball-Profi Christoph Metzelder.