Lehmann: Das Geschäft wird schwieriger

09.07.2015|SWP Ehingen (Doris Moser)

Die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß ist überdurchschnittlich erfolgreich, muss sich aber über den Zeitraum nach 2018 mit neuen Strategien beschäftigen. Für 2014 wurde jetzt eine solide Bilanz gezogen.

Nach einem trotz schwieriger Rahmenbedingungen erfolgreichen Jahr 2014 ist die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß für 2015 noch verhalten optimistisch, sieht sich für die Zeit danach aber wie alle Genossenschaftsbanken vor Herausforderungen: Anhaltender Niedrigzins, sinkende Erträge, weitere Auflagen und Regulierungen sowie die digitalen, gesellschaftlichen und demografischen Veränderungen bringen die Bank unter Druck. "Wir werden alles tun, um dennoch eine gesunde, nachhaltige und attraktive Raiba zu bleiben", versicherte Vorstand Klaus Hofmann. Dafür sollen bereits jetzt die Weichen gestellt werden. Diese Botschaft nahmen die knapp 500 Besucher von der Generalversammlung in der Lindenhalle mit.

Für 2014 legte die Raiba - wie berichtet - eine solide Bilanz vor, die von überdurchschnittlichen Zuwachsraten geprägt ist. Ein solides Betriebsergebnis wurde erzielt, das Eigenkapital ließ sich weiter stärken, eine Dividende mit fünf Prozent wird den 8962 Mitgliedern auf die 24 335 Geschäftsanteile mit einem Volumen von sechs Millionen Euro noch diese Woche gut geschrieben. "Im 51. Jahr hat unsere Bank damit ein weiteres Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte geschrieben", resümierte Hofmann.

Zuvor hatte der Vorstandsvorsitzende Fritz Lehmann die Entwicklungen im Geldgeschäft beleuchtet. Markt und Politik stellen demnach die Banken vor große Herausforderungen, insbesondere die Genossenschaften haben erhebliche Wettbewerbsnachteile zu verkraften. "Unsere mittelständische Struktur, die soziale Marktwirtschaft und die Akzeptanz unseres europäischen Systems sehe ich als gefährdet an", gab Lehmann zu bedenken. Dass kleine und mittelständische Unternehmen am besten durch mittelständische regionale Banken bedient werden, sei in der EU leider keine gesicherte Erkenntnis. Und so würden weiter unerträgliche Reglementierungen aufgebaut. "Wir Genossenschaftsbanken haben in der Finanzmarktkrise keine Staatshilfe gebraucht, volkswirtschaftliche Aufgaben vorbildlich erfüllt und uns keine Strafverfahren eingehandelt, dafür ordentlich Steuern bezahlt, doch wir werden im Wettbewerb benachteiligt und von der Regulatorik erdrückt", sagte Lehmann.

Es gebe aber zum Glück gute lokale Entwicklungen, zu denen Lehmann auch die Aktion "Bildung stärken" zählt. Dafür und für weitere soziale und gesellschaftliche Projekten hat die Raiba im vergangenen Jahr 92 000 Euro aufgewendet. Für die Gehälter der 110 Beschäftigen wurden 5,8 Millionen Euro bezahlt, ans Finanzamt flossen 1,5 Millionen Euro an Steuern. "Dies alles dient der Kaufkraft unserer Region", betonte Lehmann.

Die Veranstaltung moderiert hat der Aufsichtsratsvorsitzende Franz Reck, unter dessen Regie auch die Regularien abgewickelt wurden. Einstimmig billigten die 354 anwesenden Mitglieder den Jahresabschluss und die Verwendung des Reingewinns, ebenfalls einstimmig wurden Vorstand und Aufsichtsrat entlastet. Nach einer Satzungsänderung können nun Aufsichtsräte bis zum Alter von 67 Jahren (bis 65) ins Gremium gewählt werden. Im Amt bestätigt wurden die langjährigen Aufsichtsräte Hans-Jörg Baier (Beiningen), Karl-Heinz Held (Pappelau), Josef Rapp (Oberdischingen), und Walter Seebald (Babenhausen). Weil er die Altersgrenze von 67 erreicht hat, wurde Hans Grab aus Altsteußlingen verabschiedet. Kai-Uwe Dienstdorf vom Genossenschaftsverband überreichte für 25 Jahre im Gremium die silberne Ehrennadel samt Urkunde; Fritz Lehmann übergab für die Raiba ein Geschenk. Den Wunsch eines Besuchers, auch am Wochenende Überweisungen zu buchen, kann die Raiba wohl nicht erfüllen. Selbst die Online-Aufträge werden zwar am Samstag und Sonntag ausgeführt, doch die Buchung durch das Rechenzentrum erfolge erst am Montag, wurde auf die Anfrage erklärt. Dies werde für alle Banken so gehandhabt.

Oberbürgermeister Alexander Baumann würdigte namens der Stadt Ehingen und der gesamten Region das wirtschaftliche und gesellschaftliche Engagement der Raiffeisenbank und vor allem deren soziale Komponente im Geschäftsgebiet. Im Anschluss hielt Bundeswehr-General a. D. Wolfgang Schneiderhan einen Vortrag zum Thema "Die Sicherheit Europas - eine Herausforderung an Politik, Gesellschaft und Militär".

Ehrung und Abschied: Fritz Lehmann dankt Hans Grab aus Altsteußlingen für 25 Jahre im Aufsichtsrat der Raiffeisenbank (Foto: Doris Moser).