Raiba startet Strategieprozess

09.07.2015|SZ Ehingen (Tobias Götz)

Genossenschaftsbank sucht Antworten auf die Fragen der Zukunft.

Die Generalversammlung der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß am Dienstagabend in der Ehinger Lindenhalle hat neben den guten Geschäftszahlen (die SZ berichtete) auch für Aufbruchstimmung gesorgt. So wird die Genossenschaftsbank in den kommenden Wochen einen Strategieprozess einleiten, der vor allem Antworten auf die Fragen der Zukunft geben soll.

Es war eine harmonische Generalversammlung, die mit 354 stimmberechtigten Mitgliedern und vielen Gästen trotz der Hitze sehr gut besucht war. Harmonisch deswegen, weil die Mitglieder des Vorstands und die Mitglieder des Aufsichtsrats einstimmig entlastet wurden. Fünf Prozent Dividende wird die Bank am Donnerstag, 9. Juli, auf die Konten überweisen und der Wachstumskurs sorgte für zufriedene Gesichter, sowohl beim Aufsichtsrat, bei den Mitgliedern, als auch bei Wirtschaftsprüfer Kai Uwe Dienstdorf vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband, der der Bank einen "Glückwunsch zum guten Ergebnis" aussprach.

Damit die Ergebnisse der Bank auch weiterhin gut bleiben, unterzieht sich das Kreditinstitut nun einem Strategieprozess. "Trotz nach wie vor schwieriger Rahmenbedingungen sind wir auch für das Jahr 2015 verhalten optimistisch. Über die Jahre nach 2015 müssen wir allerdings schon einen Paradigmenwechsel feststellen", erklärte Vorstandsmitglied Klaus Hofmann und nannte zugleich die bestimmenden Fragen der Zukunft. "Wo können wir für die Bank neue Ertragsquellen erschließen? Wo besteht Kostensenkungspotenzial? Wie können wir unser bisher sehr erfolgreiches Geschäftsmodell in der digitalen Welt verankern? Macht gegebenenfalls eine Fusion Sinn und wenn ja mit wem und zu welchen Zeitpunkt?" Zudem soll auch das derzeitige Filialnetz der Bank auf den Prüfstand kommen. Trotz der kommenden Schwierigkeiten verspracht Vorstandschef Fritz Lehmann, dass es "weiterhin auf absehbare Zeit keine Negativzinssätze für Einlagen unserer Privatkunden geben wird". Rund 5,8 Millionen Euro hat die Bank bei einem betreuten Kundenvolumen von 971.943.000 Euro ihren 110 Mitarbeitern an Gehältern ausgezahlt. Hinzu kommen laut Lehmann rund 92.000 Euro, die an verschiedenen Sponsoringmaßnahmen in die Region geflossen sind, darunter auch bei der Wahl zum SZ-Sportler des Jahres. 303.000 Euro hat die Bank an Dividenden ausgeschüttet - das erfolgreiche Genossenschaftsmodell funktioniert also.

Vorstandsvorsitzender Fritz Lehmann gratuliert Hans Grab aus Altsteußlingen für 25 Jahre im Aufsichtsrat. Das freut auch den Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Reck und Vorstandsmitglied Klaus Hofmann (v.l.).  SZ-Foto: Tobias Götz

Leute

Als Gastredner ist am Dienstagabend mit Wolfgang Schneiderhan ein Mann aufgetreten, der über die Sicherheit in Europa sprach. Der in Riedlingen geborene ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr - und damit ranghöchster Militär in Deutschland - machte gleich zu Beginn deutlich, dass er kein Griechenland-Experte ist. "Wenn ich das wäre, wäre ich heute nicht hier, sondern bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brüssel." Dabei machte Schneiderhan deutlich, dass in Europa die große Gefahr bestehe, wieder in "klein-klein" zu zerfallen. "Dieser nationale Denkansatz in Europa ist ein Politikverständnis aus dem vergangenen Jahrhundert. Europa muss das Europa der Intergration bleiben - das müssen wir vor allem den jungen Menschen vermitteln", betonte der General a.D. Zudem, so Schneiderhan, verdiene Europa eine andere Frage als nur die nach dem Geld. "Wir müssen uns fragen, was uns Europa wert ist." Schneiderhan sieht Europa als ein Gebiet, das Angebote an die freien Menschen im 21. Jahrundert machen muss. "Deutschlands Grenzen sind so sicher wie nie", betonte Schneiderhan, der aber vor dem Zerfall von Staaten warnte. "Wenn ein Staat zerfällt entsteht ein Vakuum, das dann von Dschihadisten gefüllt wird. Das haben wir in vielen Staaten schon erlebt. Mittlerweile ist das Gebiet der Dschihadisten größer als Großbritannien." Und auf die abschließende Frage von Fritz Lehmann (links, SZ-Foto: tg), ob er sich auch ein Leben als General unter Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vorstellen könne, sagte Schneiderhan: "Als katholischer Oberschwabe habe ich gelernt, auf manche Fragen nichts zu antworten."