96,9 Prozent stimmen für Fusion

07.07.2016|SWP Ehingen (Doris Moser)

Ein klares Signal mit fast 97 Prozent haben die Mitglieder der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß für die Fusion mit der Raiba Dellmensingen gesetzt.

„Die Gesamtbank wird leistungsfähiger und ertragsstärker, denn wir nutzen Synergie-Effekte, können die ausufernde Regulatorik und die Anforderungen der Bankenaufsicht besser meistern und sichern im harten Wettbewerb unsere Zukunftsfähigkeit“, so fasste der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß, Fritz Lehmann, die Vorteile einer Fusion mit der Raiffeisenbank Dellmensingen zusammen. 347 der 361 anwesenden Mitglieder sahen dies bei der Generalversammlung in der Lindenhalle genauso und votierten für die Fusion. Es gab elf Gegenstimmen und drei Enthaltungen.

Damit ist die Basis gelegt für das Zusammenwachsen der beiden Institute, und dafür hatten sowohl Lehmann als auch der bisherige Vorstand der Dellmensinger Bank, Hans-Dieter Fuchs, vor rund 450 Besuchern geworben. „Wir bringen 1500 Mitglieder, 3000 Kunden, ein Marktgebiet mit starken Gewerbe und Potenzialen für ein dynamisches Kreditgeschäft ein und sind eine attraktive Braut“, legte Fuchs dar. Mit fünf möglichen Partnern sei verhandelt worden, die Entscheidung fiel für die Ehinger Bank, „weil Vertrauen der Schlüssel zum Erfolg ist und wir bestens zusammenpassen“, erklärte Fuchs. Mit 95,2 Prozent haben die Dellmensinger am 17. Juni den Entschluss von Vorstand und Aufsichtsrat untermauert, die Ehinger setzten nun in offener Abstimmung mit 96.9 Prozent noch etwas drauf, wenn es auch nicht die von Lehmann erhofften 99 Prozent wurden. „Wir werden den Gründen für diese elf Neinstimmen nachgehen“, kündigt Lehmann an. Rückwirkend zum 1. Januar 2016 wird die Fusion formal vollzogen, in der Praxis umgesetzt wird sie im November 2016.

Vor der Abstimmung  hatte Lehmann die Grundzüge des Entwurfs für den Verschmelzungsvertrag vorgetragen. Am Namen und Sitz der Bank ändert sich nichts, Lehmann und Klaus Hofmann bleiben Vorstände, Hans-Dieter Fuchs wird Prokurist und leitet die künftige Zweigniederlassung in Dellmensingen. Sein bisheriger Kollege Alfred Russ geht in Ruhestand.

Kai-Uwe Dienstdorf vom Württembergischen Genossenschaftsverband informierte über das gesetzlich vorgeschriebene, auf drei Jahresabschlüssen basierende Prüfgutachten, wonach die Raiba Ehingen-Hochsträß über angemessenes Eigenkapital sowie eine geordnete Finanzlage verfügt und keine erkennbaren Kreditrisiken hat. Eine von deutlich unterdurchschnittlichem Eigenkapital geprägte Vermögenslage, noch zufriedenstellende Ertragslage sowie erkennbare Kreditrisiken konstatierte das Gutachten für die Dellmensinger Bank. Laut Dienstdorfs Prognose wird die neue Gesamtbank etwa 551 Millionen Euro Bilanzsumme erreichen, über unterdurchschnittliches Eigenkapital verfügen, aber geordnete Vermögens- und Geschäftsstrukturen vorweisen. Trotz rückläufigem Zinsüberschuss werden sich laut Dienstdorf die Synergien und Effizienzpotenziale ab 2017 auswirken.

Vor der den Abend prägenden Abstimmung über die Fusion hatten die Vorstände Lehmann und Hofmann über die Situation der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß und den erfolgreichen Jahresabschluss 2015 informiert (wir haben berichtet). Der Aufsichtsratsvorsitzende Franz Reck gab Einblick in die Arbeit des Gremiums und legte dessen Bericht vor. Auch der Aufsichtsrat plädiert einhellig für die Fusion, weil sich dadurch deutliche Vorteile für eine Gesamtbank abzeichnen. Oberbürgermeister Alexander Baumann gratulierte zum trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sehr guten Ergebnis 2015 und lobte die Raiffeisenbank als zuverlässigen und kompetenten Partner mit einer tatkräftigen Geschäftspolitik in der Region, der zudem soziale und kulturelle Projekte fördert.

Einstimmig wurde der Aufsichtsrat entlastet, beim Vorstand gab es eine Gegenstimme. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurden Franz Reck aus Blienshofen, seit 1986 im Amt und seit 1987 Vorsitzender des Gremiums, einstimmig bestätigt, ebenso Paul Baier aus Tiefenhülen, Josef Stiehle aus Griesingen und Herbert Volz aus Oberdischingen. Verabschiedet wurde nach 18 Jahren im Aufsichtsrat Rudi Rupp aus Mundingen, der auch bei der Getreidemühle Indelhausen und bei der BAG als Aufsichtsrat tätig war und damit im Genossenschaftswesen sowie darüber hinaus intensiv ehrenamtlich engagiert war. Gewürdigt wurde dies mit der Schultze-Delitsch-Medaille, die Kai-Uwe Dienstdorf vom  Genossenschaftsverband überbrachte. Neu in den Aufsichtsrat der künftigen Bank gewählt wurden der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende der Raiffeisenbank Dellmensingen, Dietmar Koch, und seine Stellvertreterin Christine Stehle. Absehbar soll das jetzt zwölfköpfige Gremium auf neun Mitglieder reduziert werden.

Sie haben die Fusion der Banken vorbereitet: Aufsichtsratsvorsitzender Franz Reck, die Vorstände Fritz Lehmann und Klaus Hofmann von der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß sowie die Vorstände Hans-Dieter Fuchs und Alfred Russ und der Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Koch von der Raiffeisenbank Dellmensingen (von rechts). (SWP-Foto Doris Moser).

Rudi Rupp aus Mundingen wurde nach 18 Jahren im Aufsichtsrat der Bank verabschiedet und mit der Schultze-Delitsch-Medaille ausgezeichnet.