Rai­ba Kir­chen fei­ert 120-jäh­ri­ges Be­ste­hen

25.11.2016|SZ Ehingen: Nina Merkle

Bauern und Handwerker haben 1896 in Kirchen trotz großer Widerstände einen Darlehenskassenverein zur Selbsthilfe und Selbstverwaltung nach der Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gegründet. Unter dem Namen Raiffeisenbank Kirchen besteht die Genossenschaftsbank noch heute und betreut rund 1000 Kunden in dem Ehinger Teilort. Das Jubiläum haben Vorstand und Mitglieder am Mittwochabend mit Musik, Wein und schwäbischem Humor gefeiert.

Wucherer und Betrüger trieben im 19. Jahrhundert unter der verarmten Landbevölkerung ihr Unwesen, blickte der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß, Fritz Lehmann, in seiner Rede zurück. 1986 trat Kirchen dem Verband landwirtschaftlicher Kreditgenossenschaften in Württemberg bei. "Der Verein hatte damals beachtliche 37 Mitglieder", so Lehmann. Das Bilanzvolumen betrug 5775 Mark mit einem eingezahlten Geschäftsguthaben von 926 Mark. Gemeinsam kauften die Landwirte dann Sämereien, Futter und Düngemittel. Schon 1908 hatte die Genossenschaft 52 Mitglieder und der Umsatz hatte sich auf 72 506 Mark verdreifacht. Bis Ende der 1950er Jahre, so Lehmann, seien quasi alle Spar- und Darlehenskassen nebenamtlich geführt worden. Die Rechner waren meist Landwirte, die mit einfachen Additionsmaschinen rechneten. 1957 sei dann in Ehingen eine Buchstelle der ländlichen Genossenschaften eröffnet worden, doch die konnte die Probleme nicht lösen, sondern nur mindern. "Auch in Kirchen wurden früher die Geldgeschäfte an den Sonntagen nach dem Kirchgang im Haus des Rechners abgewickelt", erklärte der Vorstandsvorsitzende. Sofort nach dem Kirchgang seien die Bauern aus den Teilorten an der Reihe gewesen und im Anschluss die Bauern aus Kirchen. Im heutigen Bankgebäude befand sich damals lediglich ein Lagerhaus für den Warenvertrieb - erst 1962 wurde es zum Geldinstitut umgebaut. 1984 fusionierte die Bank mit der Raiffeisenbank Ehingen. Die Bilanzsumme betrug damals immerhin mehr als neun Millionen Deutsche Mark.

Aufgrund der schwierigen Lage durch die Niedrigzinspolitik werden die Banken auch die Zweigstellen in den kommenden Jahren stärker als bisher reduzieren", machte Lehmann klar. "Aber auf absehbare Zeit brauchen Sie hier in Kirchen keine Angst vor einer Zweigstellenschließung haben."

Hälfte der Kunden ist selbst Anteilseigner

Das liegt auch daran, dass die Raiffeisenbank Kirchen in ihrem Geschäftsgebiet rund 1000 Kunden betreut, die Gelder in Höhe von 11,8 Millionen Euro dort angelegt haben, so der Kirchener Geschäftsstellenleiter Markus Aierstock. Fast die Hälfte der Kunden sind selbst auch Anteilseigner. "Es macht uns sehr stolz, dass 80 Prozent aller Einwohner eine Geschäftsbeziehung zu uns haben." 7,5 Millionen Euro an Krediten haben die Kirchener bei der Raiffeisenbank aufgenommen, diese Kredite verteilen sich auf 284 Darlehenskonten.

Geschäftsstellenleiter Markus Aierstock spricht über die aktuellen Zahlen der Raiffeisenbank in Kirchen. SZ-Foto: meni