Ausverkauftes Haus beim Musical „Der kleine Prinz“ in der Lindenhalle

02.11.2016|SWP Ehingen: Renate Emmenlauer

Familientheater an Allerheiligen hat sich in Ehingen fest etabliert. So war auch gestern die von der SÜDWEST PRESSE präsentierte Vorstellung „Der kleine Prinz“ ausverkauft. Unterstützt von der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß und Finkbeiner Getränke, wurde das Musical gezeigt, das der Komponist Basti Bund mit dem Regisseur Michael Sommer nach der Vorlage des weltweit berühmten Buches von Antoine de Saint-Exupéry geschrieben hat. Sommer setzt dabei weniger auf ein opulentes Bühnenbild oder auf eine leichtfüßige, kurzweilige Handlung und auch nicht auf bunte Kostüme, was den einen oder anderen gestern etwas enttäuscht hat.

Nicht das Äußere zählt, war die Botschaft. Vielmehr konzentrierte sich die poetische Fabel vom kleinen Prinz, der von einem fremden Planeten auf die Erde kommt, mehr auf gefühlsreiche Dialoge, auf die Charaktere, konform zur inhaltlich anspruchsvollen Botschaft: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Die kleinen und großen Zuschauer wurden gedanklich in die Wüste entführt, in der ein kleiner blonder Junge dem notgelandeten Postflieger aufgibt, ein Schaf für ihn zu malen. Vieles in der scheinbar banalen Geschichte dreht sich um das Schaf und um eine Rose. Der kleine Prinz, von einem fremden Stern kommend, stellt einfache Fragen, die gleichwohl naiv wie tiefsinnig sind: Warum Rosen Dornen haben, warum ein Schaf in keiner Kiste leben kann und warum man hier eigentlich so oft traurig ist.

Der kleine Prinz ist ein Weltenreisender: von Planet zu Planet, von Mensch zu Mensch, von Charakter zu Charakter. Und er lernt, will verstehen, und tut sich doch so schwer damit, weil die „großen Leute“ es ihm nicht leicht machen, in ihrem Tun einen Sinn zu erkennen. Er ist ein Verunsicherter, ein Suchender – er will wissen, wie man Beziehungen aufbauen kann: zu Freunden und zu seiner Rose.

Die Reise des kleinen Prinzen ist eine Flucht, veranlasst durch sein unglückliches Verhältnis zu seiner Rose: Weder können sie mit einander, noch können sie ohne einander. Prinz und Rose reden an einander vorbei, genauer: sie reden zu wenig miteinander, und dann auch noch das Falsche.

Auch wenn der eine oder andere im Publikum, ob Sprößling oder Erwachsener, am Dienstag offensichtlich auf eine etwas spannungsgeladenere Geschichte gehofft hatte, kam die Botschaft doch an: in die manchmal versteinerten Herzen von Erwachsenen einzudringen, die weniger offen sind, aber gerade darum die Begegnung mit dem Kleinen Prinzen vielleicht umso nötiger haben.

Ausverkauftes Haus: Die Lindenhalle war gestern beim Familienmusical „Der kleine Prinz“ voll besetzt. Fotos: Jürgen Emmenlauer

Eine schwierige Beziehung: Der kleine Prinz und seine Rose. Foto: Jürgen Emmenlauer