Fusion wird prägendes Ereignis

28.06.2016|SWP Ehingen (Doris Moser)

„Wir sind sehr zufrieden mit den Geschäften im vorigen Jahr, haben unsere Position gefestigt und unser Eigenkapital weiter gestärkt“, so fasst Vorstandssprecher Fritz Lehmann von der  Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß die Zahlen 2015 zusammen. Auf dieser stabilen Basis plant die Genossenschaftsbank nun eine weitere Fusion. Nach der Raiffeisenbank Obermarchtal 2004 und der Raiffeisenbank Hochsträß steht die „Hochzeit“ mit Dellmensingen an.

Bei der Generalversammlung am 5. Juli steht die Abstimmung über die Verschmelzung auf der Tagesordnung als markantes Ereignis des Geschäftsjahres 2016. Die Dellmensinger Bank ist mit einer Bilanzsumme von 57 Millionen Euro gut ein Zehntel so groß wie die Raiba Ehingen-Hochsträß.

„Die Dellmensinger Bank passt zu uns und sie wird unser Geschäftsgebiet weiter abrunden“, betonen Lehmann  und sein Vorstandskollege Klaus Hofmann übereinstimmend. Sie hoffen auf eine Zustimmung der Mitglieder in Ehingen „um die 99 Prozent“. In Dellmensingen haben die Mitglieder wie berichtet in geheimer Abstimmung mit mehr als 95 Prozent Ja gesagt. Der neue Name lautet „Raiffeisenbank Dellmensingen, Zweigniederlassung der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß“, Hans-Dieter Fuchs wird die Niederlassung  leiten. Erhalten bleibt auch die Zweigstelle in Stetten. Im Geschäftsgebiet Dellmensingen-Stetten zeichnen sich für die Raiba bereits gute Geschäfte ab, denn dort sollen  94 Bauplätze erschlossen werden. Die 13 Mitarbeiter der Dellmensinger Bank werden weiter beschäftigt,  zwei gehen in Ruhestand und in Ehingen gehen zwei Frauen in Mutterschaftsurlaub. Der Vorstand in Dellmensingen wird eingespart. Somit ergeben sich schon bald erste Synergie-Effekte. Stimmen die Mitglieder in Ehingen heute in einer Woche zu, erfolgt die Fusion formal rückwirkend zum 1. Januar; technisch wird sie im November 2016 vollzogen.  

Fusionen sind für Klaus Hofmann vor allem auch Folge der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. „Das greift unser Geschäftsmodell an.“ Auch bei der Raiba schrumpft 2016 der Zinsüberschuss weiter und so muss noch mehr Geschäft helfen, um wenigstens den Status Quo zu halten. Immerhin werden für 2015 wieder fünf Prozent Dividende ausgeschüttet. Die Raiba ist erneut  in allen Sparten überdurchschnittlich gewachsen. Die Bilanzsumme ist auf 493 Millionen Euro gestiegen, erstmals übersprang das betreute Kundenvolumen die Milliarden-Marke. 800 Kreditverträge wurden geschlossen, insgesamt sind knapp 335 Millionen Euro ausgeliehen. Als nicht nachvollziehbar kritisiert Lehmann das neue Gesetz, wonach an einen Rentner kein Kredit mehr vergeben werden darf, selbst wenn er ihn auf einem schuldenfreien Haus absichern kann. Die Erben könnten später gegen die Bank klagen, weil das Darlehen nicht komplett zurückgezahlt wurde und damit ein so genannter „Verzehrkredit“ entstanden ist. „Das kommt doch einer Enteignung gleich“, fügt Hofmann an.

Wie viele andere Banken müsse auch die Raiba über weitere Einsparmöglichkeiten und schlanke Strukturen nachdenken, geben die Banker zu bedenken. Für einige kleine Zahlstellen könnte dies absehbar  die Schließung bedeuten. „Konkret ist aber noch nichts“, betont Lehmann. Derzeit wird in Ehingen die Kreditabteilung grundlegend saniert und modernisiert, auch im Blick auf den Brandschutz war dies geboten. Annähernd eine halbe Million Euro beansprucht das Bauprogramm.

Fritz Lehmann (links) und Klaus Hofmann präsentieren für 2015 eine überdurchschnittliche Entwicklung bei der Raiffeisenbank  Ehingen-Hochsträß (Foto: Doris Moser)

Zusatzinfo

Die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß hält ihre Generalversammlung am Dienstag, 5. Juli, um 19.30 Uhr in der Lindenhalle in Ehingen ab. Außer den üblichen Regularien steht diesmal als Besonderheit die Abstimmung über die Fusion mit der Raiffeisenbank Dellmensingen auf der Tagesordnung. Vorab wird das Prüfgutachten des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes verlesen.

Zahlen Bilanzsumme 493,7 Millionen Euro (plus 5,1%). Kredite 334,9 Millionen Euro (plus 6,9 %), Einlagen 339,4 Millionen Euro (plus 6,2 %), Kundenvolumen 1,03 Milliarden Euro (plus 6,4 %), Eigenkapital: 39,1 Millionen Euro (plus 10,5 %), Zinsüberschuss 11,5 Millionen  Euro (plus 1,5 %). 41 739 Konten, davon 19 785 mit Onlinezugang. 9146 Mitglieder, 24 566 Geschäftsanteile, 109 Mitarbeiter.