Glücklich über das Vertrauen

08.04.2016|SWP Ehingen (Thomas Steibadler)

Die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß hat einen neuen Partner: Sie hat das Vertrauen der Raiffeisenbank Dellmensingen gewonnen. Der Zusammenschluss soll rückwirkend zum 1. Januar beschlossen werden.

Die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß wird wachsen: Die Mitglieder sollen die Fusion mit der Raiffeisenbank Dellmensingen rückwirkend zum 1. Januar beschließen; in den Generalversammlungen am 17. Juni in Dellmensingen und am 5. Juli in Ehingen. Jeweils mindestens 75 Prozent der Stimmen sind für den Zusammenschluss erforderlich. Dann würde die Genossenschaftsbank in Dellmensingen im 125. Jahr ihres Bestehens ihre Eigenständigkeit verlieren. Aufsichts- und Verwaltungsräte beider Banken hätten beschlossen, über eine Fusion zu verhandeln, sagte Fritz Lehmann, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß, gestern vor der Presse. "Wir schätzen uns glücklich, dass das Vertrauen der Dellmensinger auf uns gefallen ist."

Die Raiffeisenbank Dellmensingen gibt die Selbstständigkeit nicht freiwillig auf. In der Generalversammlung im Juli vergangenen Jahres hatte Vorstandsmitglied Hans-Dieter Fuchs den Aufsichtsratsbeschluss öffentlich gemacht, mit anderen Genossenschaftsbanken über einen Zusammenschluss zu verhandeln. Drei Gründe seien dafür ausschlaggebend, sagte Fuchs gestern: Für die kleine Bank mit elf Mitarbeitern sei die politisch verordnete "Regulierungswut" der Bankenaufsicht "erdrückend". Das koste Geld und Arbeitszeit, "die auf der Marktseite fehlt". Zweitens verfüge die Bank über geringes Eigenkapital - 3,7 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von 57 Millionen. Das zusammen mit, drittens, den niedrigen Zinsen halte die Bank "im Zangengriff", die langfristig nicht überlebensfähig gewesen wäre. "Wir stehen aber nicht an der Wand", betonte Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Koch, die Fusion sei "eine strategische Entscheidung".

In den Sondierungsgesprächen mit fünf Genossenschaftsbanken sei es darum gegangen, die Strukturen der Dellmensinger Bank zu erhalten, sagte Fuchs. Das sei mit der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß am besten gelungen. Demnach bleiben alle Mitarbeiter, die direkten Kundenkontakt haben, in Dellmensingen beziehungsweise in der Geschäftsstelle im benachbarten Stetten (Kreis Biberach). Die in der "Marktfolge" beschäftigten Mitarbeiter wechseln nach Ehingen, Personalabbau sei nicht geplant, sagte Fuchs. Aus dem bisherigen Sitz in Dellmensingen werde eine Niederlassung der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß, wobei der Name "Raiffeisenbank Dellmensingen" erhalten bleibe. Die Geschäftsstelle in Stetten solle renoviert werden.

Aus Sicht der Dellmensinger sei die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß ein idealer Fusionspartner, "von der Unternehmenskultur her passen wir zusammen". Das bestätigte Fritz Lehmann für die deutlich größere Bank - "wir passen am besten zusammen" -, der auch wirtschaftliche Überlegungen anführte. "Wir sehen große Chancen am Markt." Chancen, die die Dellmensinger Bank wegen ihres geringen Eigenkapitals häufig nicht nutzen kann, wie Fuchs einräumte. Vor allem die weitere Bautätigkeit in Dellmensingen und Stetten eröffne die Möglichkeit, Kreditkunden zu gewinnen. Bereits jetzt verfüge die Dellmensinger Bank über "ordentlich viel Kunden" mit stattlichen Einlagen, ergänzte Lehmanns Vorstandskollege Klaus Hofmann.

Sie streben eine Fusion an (von links): Franz Reck, Aufsichtsrats-Vorsitzender der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß, Vorstandsvorsitzender Fritz Lehmann, Christine Stehle (stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Raiffeisenbank Dellmensingen), Vorstandsmitglied Klaus Hofmann, Hans-Dieter Fuchs und Alfred Russ (Vorstandsmitglieder Dellmensingen) und Dietmar Koch (Aufsichtsratsvorsitzender Dellmensingen). (SWP-Foto: Emmenlauer)

Zusatzinfo

Nach dem Zusammenschluss bleibt es bei zwei Vorstandsmitgliedern

 

Zahlen Die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß - 2008 hervorgegangen aus der Raiffeisenbank Ehingen und der Raiffeisenbank Hochsträß - hat 9146 Mitglieder, beschäftigt 109 Mitarbeiter und betreibt 18 Geschäftsstellen. Die Bilanzsumme zum 31. Dezember 2015 betrug 493 Millionen Euro, das Eigenkapital 39,1 Millionen. Die Zahl der Kunden wird mit 20 093 angegeben, deren Einlagen mit 339 Millionen Euro, die Kredite mit insgesamt 335 Millionen Euro.

Die Raiffeisenbank Dellmensingen - die Genossenschaft wurde 1891 gegründet - hat 1484 Mitglieder und elf Mitarbeiter in zwei Geschäftsstellen. Die Bilanzsumme beträgt 57 Millionen Euro, das Eigenkapital 3,7 Millionen. Ende 2015 hatten 3057 Kunden bei der Raiba 47 Millionen Euro angelegt und Kredite über 39 Millionen aufgenommen.

Personen Fritz Lehmann (Vorsitzender) und Klaus Hofmann von der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß bilden auch den Vorstand der fusionierten Bank. Hans-Dieter Fuchs, bisher Vorstandsmitglied in Dellmensingen, erhält Prokura. Sein Kollege Alfred Russ, zum 30. September 2015 bei der Raiba Niedere Alb ausgeschieden und zum 1. Oktober für Dellmensingen reaktiviert, wird im Herbst oder zum Jahresende in den Ruhestand gehen. Von 1990 bis August 2015 war Eugen Schlachter Vorstandssprecher in Dellmensingen. Er war in Verbindung mit der Insolvenz des 2014 verstorbenen Biberacher Rechtsanwalts Artur Maccari in die Kritik geraten. Geschäfte der Raiba Dellmensingen mit Maccari hätten "keinerlei Auswirkungen" gehabt und nicht zu dem Fusionsdruck geführt, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Koch gestern.