Rai­ba knackt die Mil­li­ar­den-Gren­ze

28.06.2016|SZ Ehingen (Tobias Götz)

Betreutes Kundenvolumen liegt bei rund 1,03 Milliarden Euro - Fusion Hauptthema

Die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 erstmals die Milliarden-Grenze knacken können - und zwar beim betreuten Kundenvolumen. Sehr zufrieden ist die Genossenschaftsbank auch mit der Bilanzsumme von rund 493 738 000 Euro. Bei der Mitgliederversammlung am kommenden Dienstag in der Lindenhalle soll nun endgültig die Fusion mit der Raiba Dellmensingen in trockene Tücher gepackt werden.

"Wir sind rundum zufrieden, wir haben gut geschafft und ein gutes Ergebnis erreicht", sagt Vorstandschef Fritz Lehmann. Sein Kollege Klaus Hofmann verweist aber trotz der guten Zahlen darauf, dass das Geschäftsmodell einer Genossenschaftsbank immer mehr durch die Rahmenbedingungen der Europäischen Zentralbank (EZB) angegriffen wird. "Wir konnten im Jahr 2015 zwar unseren Zinsüberschuss noch steigern, das wird im Jahr 2016 aber nicht mehr möglich sein", sagt Hofmann. Denn gerade die Regulierungen aus Brüssel machen der Ehinger Bank Sorgen. "Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie schreibt uns beispielsweise vor, dass wir eine private Baufinanzierung mit Rentnern nicht mehr machen dürfen, wenn diese rechnerisch nicht aus der Rente bedienbar ist. Da spielt es keine Rolle, wenn dieser Rentner eine Hypothek auf sein abbezahltes Haus aufnehmen möchte", ärgert sich Hofmann.

Kein Grund zum Ärger hat die Genossenschaftsbank indes beim Blick auf die Zahlen und die anstehende Fusion mit der Raiffeisenbank Dellmensingen (die SZ berichtete mehrfach). "Unser Eigenkapital ist um 10,8 Prozent angewachsen. Diese Kennzahl wird immer wichtiger für uns", sagt Klaus Hofmann. Ebenfalls groß war die Freude in Ehingen, als die Mitglieder der Dellmensinger Raiba erst kürzlich mit 95 Prozent der geplanten Fusion mit Ehingen zusgestimmt haben. "Dieser Wert ist sensationell", sagt Lehmann, der sich am kommenden Dienstag bei der eigenen Mitgliederversammlung ein ähnliches Ergebnis wünscht. Sorge, dass die geplante Fusion ein Fehler sein könnte, die haben Lehmann und Hofmann nicht. "Wir können Zahlen lesen", sagt Hofmann.

Stimmen die Mitglieder also für die Fusion, wird diese rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres gültig - technisch wird sie dann am 12. November vollzogen. "Dellmensingen mit seiner Bilanzsumme von 57 Millionen Euro passt zu uns. Hans-Dieter Fuchs aus Dellmensingen wird Zweigstellenleiter und bekommt die Prokura, die restlichen Mitarbeiter übernehmen wir auch", sagt Fritz Lehmann, der viele Synergieeffekte sieht. "Wir spüren eine Aufbruchstimmung in Dellmensingen."

Nach Obermarchtal im Jahr 2004 und Hochsträß im Jahr 2008 wird Dellmensingen nun die dritte Fusion sein. Die Zahl der Geschäftsstellen wächst dann von 18 auf 20 an. "Aber auch wir müssen uns Gedanken machen, ob wir Zahlstellen schließen werden. Eine Entscheidung ist aber noch nicht getroffen. Fakt ist, dass Dellmensingen und Stetten bleiben werden", versichert Lehmann.

Die Raiba Dellmensingen wird zudem in diesem Jahr 125 Jahre alt. "Das werden wir auch feiern", so Lehmann. Aktuell baut die Raiffeisenbank ihre Zentrale in der Ehinger Bahnhofstraße um. Für rund 500 000 Euro entstehen im ersten Stock neue Räume, die auch den aktuellen Brandschutzauflagen entsprechen.

Die Mitgliederversammlung findet am Dienstag, 5. Juli, ab 19.30 Uhr in der Ehinger Lindenhalle statt. Einen Gastredner wird es laut Fritz Lehmann nicht geben, da die Tagesordnung durch die Fusionsabstimmung keinen Platz dafür vorsieht.

Vorstandsvorsitzender Fritz Lehemann (links) und sein Vorstandskollege Klaus Hofmann sind mit den Zahlen der Bank zufrieden.  SZ-Foto: götz