Raiffeisenbanken wollen fusionieren

08.04.2016|SZ Ehingen (Tobias Götz)

Dellmensinger Bank soll in Ehingen/Hochsträß angegliedert werden.

Die Raiffeisenbank Ehingen/Hochsträß möchte mit der Raiffeisenbank Dellmensingen fusionieren. Sofern die Mitglieder bei den Generalversammlungen am 17. Juni (Dellmensingen) und am 5. Juli (Ehingen) zustimmen (75 Prozent sind dafür nötig), wird die Fusion rückwirkend zum 1. Januar 2016 wirksam. Damit endet für die Dellmensinger Bank, die Gespräche mit fünf Kreditinstituten geführt hat, die lange Phase der Sondierung.

"Wir passen am besten zusammen", sagt Fritz Lehmann, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Ehingen/Hochsträß. Damit bekräftigt der Ehinger Raiba-Chef sein ernsthaftes Interesse an der Raiffeisenbank in Dellmensingen, die im vergangenen Jahr für viele Schlagzeilen gesorgt hat. Anfang August hat der damalige Dellmensinger Chef Eugen Schlachter um die Auflösung seines Vertrags gebeten, zudem wurde die Bank immer wieder in Verbindung mit der Insolvenz des verstorbenen Biberacher Rechtsanwalts Artur Maccari gebracht.

Hans-Dieter Fuchs hat in dieser Zeit die alleinige Führung der Dellmensinger Bank übernommen und bereits damals angekündigt, in Sondierungsgespräche mit anderen Banken gehen zu wollen. "Seit der Aufhebung des Vertrags mit Eugen Schlachter ist der Wirbel um uns deutlich zurückgegangen. Seit September ist wieder Ruhe eingekehrt", macht Fuchs deutlich. Ruhe, die die Dellmensinger Bank genutzt hat, um mit fünf Banken über eine mögliche Fusion zu sprechen. "Wir sind als kleine Bank an unsere Grenzen geraten. Die steigenden Aufwendungen für die Regularien und die Reportings haben zeitlich unsere Mitarbeiter stark eingebunden. Diese Zeit hat dann für Kundengespräche gefehlt", erklärt Fuchs. Zudem hat die Dellmensinger Raiffeisenbank, die seit 125 Jahren besteht, mit 3,7 Millionen Euro eine unterdurchschnittliche Eigenkapitalausstattung.

"Dieser Zangengriff sorgt dafür, dass wir es langfristig alleine nicht mehr gepackt hätten", sagt Fuchs, der die geplante Fusion mit der Raiffeisenbank Ehingen/Hochsträß als strategische Entscheidung bezeichnet.

In den Gesprächen mit Ehingen habe Fuchs, der diese zusammen mit Alfred Russ maßgeblich geführt hat, auch darauf geachtet, dass Dellmensingen einen gewissen Status Quo erhalten kann. "Unsere Marktstruktur bleibt. Ebenso wollen wir die Nähe zu unseren Kunden aufrecht erhalten", so Fuchs, der künftig als Prokurist in der Führungsebene der Raiffeisenbank Ehingen/Hochsträß arbeiten wird. Die Dellmensinger Bank bekommt einen sogenannten Niederlassungsstatus, der für größere Kompetenzen sorgt. Die Zweigstelle in Stetten soll im kommenden Jahr zudem renoviert werden. "Die Ansprechpartner für unsere Kunden bleiben gleich", sagt Fuchs. Allerdings werden die Mitarbeiter zur Nachbearbeitung künftig in Ehingen sein.

Chance auf neuen Markt

Für die Raiffeisenbank Ehingen/Hochsträß, die als solche im Jahr 2008 fusioniert hat, bieten sich laut Lehmann durch die Fusion weitere Chancen auf dem Markt. So werden beispielsweise in Stetten derzeit 19 Bauplätze erschlossen, in Dellmensingen perspektivisch sogar 94 - alles potenzielle Kunden im Kreditgeschäft. Als Zusage hat Ehingen an Dellmensingen auch gemacht, dass im Zuge der Fusion kein Personal abgebaut werden soll. "Raiffeisen zu Raiffeisen - das passt einfach", drückt Fritz Lehmann die geplante Heirat der beiden Banken passend aus. "Wir wissen, wie wir Geschäfte machen und sehen große Chancen für uns in diesem neuen Markt", so Lehmann, der zudem durch die Fusion das Gebiet seiner Bank abrundet.

An der Vision 2020 will die selbsternannte Bank mit der Krone trotz der geplanten Fusion aber weiterhin festhalten. "Wir wollen bis dahin selbständig bleiben", macht Vorstandsmitglied Klaus Hofmann deutlich. Immerhin konnte die Raiba ihre Bilanzsumme seit der Fusion mit dem Hochsträß innerhalb von acht Jahren um satte 50 Prozent steigern.

Bereit für die Fusion (v.l.): Aufsichtsratsvorsitzender Franz Reck (Ehingen), Vorstandsvorsitzender Fritz Lehmann (Ehingen), Aufsichtsratsmitglied Christine Stehle (Dellmensingen), Vorstandsmitglied Klaus Hofmann (Ehingen), künftiger Prokurist Hans-Dieter Fuchs (Dellmensingen), Marktfolgevorsitzender Alfred Russ und Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Koch (beide Dellmensingen). SZ-Foto: Götz

Zahlen & Fakten

Geschäftsstellen

Ehingen/Hochsträß: 18

Dellmensingen: 2

Künftig: 20

Bilanzsumme

Ehingen/Hochsträß: 493 Millionen

Dellmensingen: 57 Millionen

Künftig: 550 Millionen

Kundeneinlagen

Ehingen/Hochsträß: 339 Millionen

Dellmensingen: 47 Millionen

Künftig: 386 Millionen

Kundenkredite

Ehingen/Hochsträß: 335 Millionen

Dellmensingen: 39 Millionen

Künftig: 374 Millionen

Betreutes Kundenvolumen

Ehingen/Hochsträß: 1034 Millionen

Dellmensingen: 122 Millionen

Künftig: 1156 Millionen

Eigenkapital

Ehingen/Hochsträß: 39,1 Millionen

Dellmensingen: 3,7 Millionen

Künftig: 42,8 Millionen

Kunden

Ehingen/Hochsträß: 20 093

Dellmensingen: 3057

Künftig: 23 150

Mitarbeiter

Ehingen/Hochsträß: 109

Dellmensingen: 11

Künftig: 120