Den Jugendtraum umgesetzt

18.12.2018/SWP Ehingen (Andreas Hacker)

Es ist ein Abschied auf Raten: Mit einer Feier am heutigen Dienstagabend im Hotel Adler endet für Fritz Lehmann die Zeit, in der er als Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß 21 Jahre lang das operative Geschäft geleitet hat. Martin Traub wird im neuen Jahr diese Aufgabe übernehmen. Doch Lehmann, der im Februar 65 Jahre alt wird, hört noch nicht ganz auf, sondern will als „Sonderbotschafter Fusion“ dabei mithelfen, dass nun klappt, was 1992 und 1995 schon zwei Mal gescheitert ist  – die Schaffung einer großen genossenschaftlichen Bank im Raum Ehingen.

Sonderbotschafter Fusion

Bis zum Ablauf seines Vertrages Ende Juni 2019 will Fritz Lehmann für die Fusion der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß und der Donau-Iller-Bank zur Alb-Donau-Iller-Bank werben. Das sei nur auf den ersten Blick ein Widerspruch, sagt Lehmann, der vor viereinhalb Jahren, bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen der Raiffeisenbank, noch gesagt hatte, das Thema Fusion sei für ihn mindestens bis zum Jahr 2018 erledigt: „Ich verkaufe meine Mitarbeiter und meine Mitglieder nicht“, hatte er sich damals zitieren lassen. Heute sagt er: „Jetzt ist die Zeit reif“ und begründet dies mit der anhaltenden Niedrigzinsphase und einem auf beiden Seiten gewachsenen Verständnis, dass die Chancen für ein Zusammengehen  nun größer seien denn je.

Fusionen waren im Berufsleben des gebürtigen Langenenslingers, der eigentlich Förster werden wollte, schon immer ein Thema. 1989 war im Verband der Genossenschaftsbanken „Ein Markt, eine Bank“ als Strategie ausgegeben worden, um in der Finanzwirtschaft als starker Pfeiler neben den Sparkassen bestehen zu können. Und Lehmann, der 1971 in der kleinen Raiba in Binzwangen mit seiner Ausbildung begonnen hatte, war in diesem Geschehen mitten drin. 1980 mit damals 26 Jahren als jüngstes Vorstandsmitglied im Verbandsgebiet in den Vorstand der Raiba Altheim berufen, zog er 1991 beim Zusammenschluss mit der Volksbank Riedlingen mit die Fäden und wurde in der neuen Bank dann Prokurist.

Das war für Lehmann aber nur eine Zwischenstation. Zielstrebig hat der überzeugte Raiffeisenbanker, der schon während seiner Lehrzeit beschlossen hatte, einmal Vorstandschef einer Bank zu werden, sich für Führungspositionen qualifiziert. Und als sein Weg dorthin in Riedlingen ins Stocken geraten war, nahm er einen Umweg über die neuen Bundesländer. Von 1990 an hatte er als einer der ersten Patenbankbetreuer im Verband die Volksbank Löbau-Neugersdorf in Sachsen beraten, und 1994 wechselte er dann ganz nach Ostdeutschland, zur Raiffeisenbank Niesky Weisswasser, ebenfalls in Sachsen. „Ich wollte wieder Vorstand sein“, sagt Lehmann im Rückblick. „Die Entscheidung, nach Sachsen zu gehen, hat sich als gut erwiesen, denn ich habe dort viel gelernt“, betonte Fritz Lehmann bei seinem 60. Geburtstag die Bedeutung dieses Abschnitts.

Gerhard Schorr, Verbandsdirektor des baden-württembergischen Genossenschaftsverbandes, hat bei dieser Feier im Februar 2014 Lehmann als einen „echten Netzwerker“ gewürdigt, der die Bank stets an der Front vertreten habe und dabei den Menschen immer auf Augenhöhe begegnet sei. Das sei Teil seines Erfolgsgeheimnisses.

Im Januar 1998 kehrt Lehmann aus dem Osten zurück und wird in Ehingen Nachfolger von Albin Beck, der von 1962 an aus der ehemaligen Buchstelle eine genossenschaftliche Bank geformt hatte, die im April 1964 dann ins Register eingetragen worden war. Das Experiment, aus sechs kleinen, ertragsschwachen Spar- und Darlehenskassen in Dettingen, Herbertshofen, Niederhofen, Heufelden, Gamerschwang und Altsteußlingen eine leistungsfähige Bank zu entwickeln, sei geglückt, sagte Lehmann bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen im Jahr 2014.

Stolz auf die Zahlen

Daran hat Lehmann maßgeblich Anteil. Als er 1998 in Ehingen angefangen hat, habe ihn der Aufsichtsrat gefragt, wie lange die Raiba wohl noch selbstständig bleiben könne. Fünf Jahre, habe er damals geantwortet. Dass es nun mindestens 21 werden, ist das Ergebnis einer selbstbewussten Strategie, die im Konzept der „Bank mit der Krone“ gipfelt. „Die Raiffeisenbank Ehingen war schon immer eine Wachstumsbank“, sagt Lehmann und verweist mit Stolz auf Zahlen: mehr als 11 111 Mitglieder und eine Bilanzsumme von mehr als 613 Millionen Euro. Dabei haben auch wieder Fusionen eine Rolle gespielt: Zunächst ist 2005 Obermarchtal dazugekommen, dann 2008 die Raiffeisenbank Hochsträß und zuletzt die Raiba Dellmensingen.

Lehmann wäre aber nicht Lehmann ohne ein Engagement über die Bank hinaus. Jahrelang war der begeisterte Jäger und Angler Vorsitzender des Fördervereins der Ehinger Längenfeldschule, hat soziale Projekte gestartet und mit der SÜDWEST PRESSE die Aktion „Bildung stärken“ auf den Weg gebracht und bewiesen, dass ihm die Region am Herzen liegt.

Aus Scheitern bei der Försterprüfung viel gelernt

Netzwerker Für Fritz Lehmann war die Tatsache, dass er mit 17 Jahren in Bebenhausen in der Aufnahmeprüfung für die Ausbildung zum Förster gescheitert ist, eines der Schlüsselerlebnisse, die ihn geprägt haben. „Damals habe ich gelernt, wie wichtig Beziehungen im Leben sind“, erzählt er im Rückblick auf seine Laufbahn. Von ursprünglich 70 Bewerbern waren 35 in die Prüfung gekommen und ganze 4 wurden dann genommen. Alles im Vorfeld gut vorbereitet, erinnert sich Lehmann, für den damals „eine Welt zusammengebrochen ist“. Wenn er heute als gut vernetzt gilt, hat das eine ganze Menge mit den damals gemachten Erfahrungen zu tun.