Der Banker mit der Krone sagt Ade

13.12.2018/SZ Ehingen

21 Jahre lang hat Fritz Lehmann die heutige Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß als Vorstandsvorsitzender geführt. Nun geht der Raiffeisenbanker in den Ruhestand - möchte aber davor noch als Sonderbotschafter Fusion die geplante Verschmelzung mit der Donau-Iller Bank als letzte Amtshandlung vollenden.

"Ich wollte immer Förster werden", sagt Fritz Lehmann und erinnert sich gerne an seine Jugendzeit in Langenenslingen. Fast jede Sekunde hat der junge Fritz damals im Wald oder am Bach verbracht, war mit seinem Vater auf der Jagd und hat schon mit sechs Jahren seinen ersten Fisch gefangen. "Ich hatte schon immer viel übrig für die Natur", erklärt Lehmann, der schon in früher Jugendzeit beispielsweise meterhohe Brennesseln mit einer Sichel gemäht hat, "damit die jungen Fichten" Platz zum wachsen haben. Die jungen Fichten sind nun 60 Jahre alt und in all der Zeit ist aus dem Naturburschen Fritz Lehmann ein Banker geworden, der die Raiffeisen-DNA im Blut hat wie kaum ein anderer im Verbandsgebiet. Und das, obwohl Lehmann mit 17 Jahren immer noch den Lebenstraum Förster hatte. "Ich war damals bei der Försterprüfung. Von 70 Teilnehmern sind am Ende vier genommen worden. Und diese vier sind ausgewählt worden, weil ihre Väter gute Beziehungen hatten. Als ich nicht genommen worden bin, ist für mich eine Welt zusammengebrochen", sagt Lehmann heute. Doch die Tatsache, dass Beziehungen im Leben eine wichtige Rolle spielen, scheint sich damals in Lehmann eingebrannt zu haben. "Zuerst bin ich nur auf dem Sofa gelegen und habe geweint. Dann habe ich mich aufgerafft und mich bei der Polizei, einer Sparkasse und einer Raiffeisenbank vorgestellt", erklärt Lehmann und sagt: "Ich bin dann zur Raiba Binzwangen gegangen, weil ich dort auch im Warenlager arbeiten konnte. Bei der Sparkasse hätte ich immer eine Krawatte zum Schaffa tragen müssen." Dass er irgendwann um die Krawatte nicht herumkommen würde, wurde ihm aber schnell klar. "Schon während meiner Lehrzeit wollte ich irgendwann mal Vorstandschef einer Bank werden", so Lehmann, der 1971 seine Lehre in Binzwangen begann. "In der Bankfachklasse wurde ich dann von meinen Mitschülern oft auf das Warengeschäft angesprochen. Sprüche wie, ob ich mein Mausgift schon verkauft habe, musste ich mir anhören." Doch genau diese Sprüche haben den Raiffeisenbanker Lehmann schon in jungen Jahren geprägt, haben ihm die DNA der Idee, eine Bank mit dem Warengeschäft zu verbinden, eingepflanzt. "Das hat mir auch ein anderes Auge für die Kunden gegeben und mich immer geprägt."

Seine Zeit bei der Bundeswehr mit Grundausbildung am Feldberg und anschließendem Dienst in Sigmaringen hat den Menschen Lehmann dahingehend verändert, weil er dort lernte, auf die Zähne zu beißen, auch wenn es unbequem wird. "40 Kilometer Orientierungsmarsch ist schon hart", so Lehmann, der nach der Bundeswehr kurz wieder nach Binzwangen ging, um dann aber 1978 bei der Raiba in Altheim bei Riedlingen seine Arbeit zu verrichten. Lehmann absolvierte fortan alle wichtigen Kurse, um die Eignung für die Vorstandsetage einer Bank zu erlangen und 1980 erreichte der damals 26 Jahre alte Mann sein Ziel. Er wurde das jüngste Vorstandsmitglied im Verbandsgebiet. Die Jahre zogen ins Land und als im Jahr 1989 vom Genossenschaftsverband die Devise "ein Markt, eine Bank" ausgegeben wurde, startete die erste große Fusionswelle - und Lehmann war, wie auch heute, mittenndrin statt nur dabei. Altheim fusionierte 1991 mit Riedlingen und Lehmann wurde nach der Wende zudem der erste Patenbankberater im Osten und kümmerte sich "nebenher" um die Bank in Neugersdorf, Sachsen. Der Osten Deutschlands faszienierte Lehmann damals so sehr, dass er 1994 den Schritt wagte und nach Ostdeutschland, zur Raiffeisenbank Niesky Weisswasser, wechselte. "Das war eine tolle Zeit, in der ich viele Freunde gewonnen habe", erinnert sich Lehmann, der auch heute noch so oft es geht nach Sachsen fährt. Nach vier Jahren Sachsen ereilte Lehmann indes im Jahr 1998 der Ruf aus Ehingen. "Ich habe dann mit meiner Frau den Deal gemacht. Entweder Ehingen klappt, oder meine Familie zieht nach Sachsen." Ehingen hat geklappt und Lehmann hat aus der Raiffeisenbank ein Kreditinstitut mit der Krone als Symbol geformt, das von stetigem Wachstum begleitet war. Im Jahr 2008 erfolgte mit der Hochsträßbank Oberdischingen die Fusion zur Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß und nun steht mit der geplanten Fusion mit der Donau-Iller Bank, es wäre Lehmans elfte als Banker, eine weitere Herausforderung an, der er sich unbedingt zum Abschluss seiner Berufskarriere stellen möchte. "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für die Fusion. Und das sage ich aus vollster Überzeugung. Beide Banken haben verstanden, dass die Chance, jetzt zusammenzuwachsen, größer ist denn je. Und meine Mitarbeiter können davon überzeugt sein, dass ich die Fusion auch machen möchte, weil ich einen Fürsorgegedanken für sie habe. Meine Aufgabe bis zum 30. Juni wird es sein, alle davon zu überzeugen, dass die Fusion jetzt richtig ist", sagt Lehmann, lehnt sich zurück und holt tief Luft: "Der liebe Gott hat mir in meinem Leben immer geholfen. Und es war gut, dass ich Banker und nicht Förster geworden bin. Denn auch als Banker habe ich sehr vielen Menschen helfen können."

Fritz Lehmann geht in den Ruhestand.  SZ-Foto: götz

Alfred Kloker (l.) und Fritz Lehmann im Jahr 1998.  Foto: bank