Ehin­gens Ge­nos­sen­schafts­ban­ken wol­len fu­sio­nie­ren

30.11.2018|SZ Ehingen (Tobias Götz)

Die Donau-Iller Bank und die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß wollen verschmelzen. Das haben die Vorstandsmitglieder beider Ehinger Genossenschaftsbanken am Donnerstag in einem gemeinsamen Gespräch erklärt. Es ist der dritte Versuch einer Fusion nach den Jahren 1993 und 1995. Sollte die geplante Fusion im kommenden Jahr klappen, wird es keine fusionsbedingten Kündigungen geben.

Es ist in den vergangenen Jahren quasi nie vorgekommen, dass die Vorstandsmitglieder beider Ehinger Genossenschaftsbanken einträchtig an einem Tisch sitzen. Seit Donnerstag wird dies aber sicher noch sehr oft der Fall sein, denn nun ist es amtlich: Beide Banken wollen im kommenden Jahr zu einer Genossenschaftsbank verschmelzen, die dann Alb-Donau-Iller Bank heißen soll. "Jetzt ist die richtige Zeit, das Vorhaben in Angriff zu nehmen, um es auch zum Erfolg zu führen", sagt Raiba-Vorstandsboss Fritz Lehmann, der bereits am 18. Dezember in den Ruhestand verabschiedet wird. Triebfeder des erneuten Fusions-Versuchs nach den zwei gescheiterten Unterfangen in der 1990er Jahren war allerdings Peter Seibel, Vorstandsmitglied der größeren Donau-Iller Bank, der im kommenden Jahr mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen wird. "Seibel hat mich kontaktiert und die Gespräche ins Rollen gebracht", erklärt Fritz Lehmann, der seit mehr als 20 Jahren Chef der Raiba ist. "Noch nie war der Zeitpunkt besser als jetzt. Und der Zeitpunkt wird auch nie wieder besser als jetzt werden", betont Lehmann, der sich zwar nach seinem Abschied aus dem operativen Bankgeschäft zurückziehen wird, fortan aber beide Banken als "Sonderbotschafter Fusion" unterstützen wird, wie es Raiba-Vorstandsmitglied Klaus Hofmann betont. "Mit der Fusion werden wir in Ehingen eine zukunftsfähige Bank haben. Denn bei zwei Mal gut kann ja nichts Schlechtes herauskommen", so Lehmann. Die Aufsichtsräte beider Genossenschaftsbanken seien bereits informiert - beide würden hinter dem Fusionsgedanken stehen.

Für Jost Grimm, Vorstandsmitglied der Donau-Iller Bank, sei diese geplante Fusion "mit keiner anderen Fusion zu vergleichen". "Wir sind im gleichen Geschäftsgebiet mit dem gleichen Geschäftsmodell unterwegs. Und beide Banken sind sehr erfolgreich", sagt Grimm, der sich durch die geplante Fusion natürlich viele Synergie-Effekte verspricht. "Bisher mussten beide Banken quasi alles doppelt machen", sagt Grimm, denn bisher haben die beiden Genossenschaftsbanken auf keiner Ebene kooperiert. Nach den Kundenversammlungen, die im Frühjahr nach der Fasnet bei beiden Banken starten, soll dann im Juni bei der Mitgliederversammlung der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß über die Fusion abgestimmt werden. "Wir brauchen die Zustimmung von 75 Prozent", sagt Fritz Lehmann, der die Monate bis dahin nutzen möchte, um intensiv bei seinen Mitgliedern und Kunden für das Vorhaben zu werben. Ebenfalls 75 Prozent der Vertreterstimmen wird dann auch die Donau-Iller Bank bei ihrer Vertreterversammlung, ebenfalls im Juni, für die Fusion benötigen. Stimmen beide Versammlungen dafür, würde die technische Fusion beider Kreditinstitute am 12. Oktober vollzogen, die allgemeine Verschmelzung der Ehinger Genossenschaftsbanken würde dann rückwirkend für den 1. Januar 2019 gelten.

Bahnhofstraße bleibt

Gesetz den Fall alles läuft nach den Planungen der Vorstandsmitglieder, würde die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß zwar mit der Donau-Iller Bank verschmelzen, das Gebäude an der Bahnhofstraße in Ehingen würde aber weiterhin genutzt werden - das gelte auch für die Geschäftsstellen beider Banken, die sich örtlich nicht überschneiden. "Auf die Bahnhofstraße legen wir großen Wert. Das Gebäude wird weiterhin so genutzt werden, wie bisher, zumal wir es ja erst renoviert haben. Nur können dann, sofern die Fusion klappt, natürlich auch die neuen Kunden ihre Bankgeschäfte dort erledigen. Denn auch der Schalterraum bleibt", betont Lehmann und sagt: "Unsere Mitarbeiter hängen auch an dem Gebäude."

Dass gerade jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um die Fusion anzustreben, begründen beide Bank-Vorstände auch mit der Niedrigzinsphase und der zunehmenden Regulatorik. "Die Niedrigzinsphase wird sich auf absehbare Zeit nicht verändern. Zudem werden wir viel Geld in die weitere Digitalisierung stecken müssen", sagt Jost Grimm und Peter Seibel fügt hinzu: "Wir müssen fusionieren, solange beide Banken noch handlungsfähig sind. Und wir alle sind überzeugt, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist." Sollte die Fusion klappen, wird sich der Vorstand der dann neuen Alb-Donau-Iller Bank aus vier Personen - und zwar Jost Grimm, Gerhard Deuringer, Martin Traub und Klaus Hofmann - zusammensetzen, der künftige Aufsichtsrat der Bank würde aus zwölf Personen bestehen, sieben von der Donau-Iller Bank und fünf von der Raiba.

Neu hinzukommen würde ein Beirat, der sich unter anderem aus den jetzigen Aufsichtsratsmitgliedern der Raiba zusammensetzen würde, die dann nicht mehr im neuen Aufsichtsrat wären. Auch müssten Mitglieder der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß zu Vertretern umgewandelt - sprich von einem Wahlausschuss bestellt werden. Das betreute Kundenvolumen würde dann bei rund drei Milliarden Euro liegen.

Wollen fusionieren (v.l.): Martin Traub, Gerhard Deuringer, Peter Seibel, Jost Grimm, Fritz Lehmann und Klaus Hofmann. Klappt die Fusion, hätte die neue Bank einen Marktanteil von 60 Prozent in der Region.  SZ-Foto: götz