Lau­da­to­ren über­schüt­ten Leh­mann mit Lob

20.12.2018/SZ Ehingen (Tobias Götz)

Rund 240 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Kultur sind am Dienstagabend in den Ehinger Adlersaal gekommen, um den Vorstandsvorsitzenden der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß, Fritz Lehmann, in den Ruhestand zu verabschieden. Die Laudatoren überschütteten den Banker mit Lob und Anekdoten - der offizielle Teil des Abends war dann auch erst kurz vor Mitternacht mit einer emotionalen Lehmann-Rede beendet.

Dass Fritz Lehmann in seinen insgesamt 38 Jahren im Dienste der Raiffeisenbanken ein Netzwerker war und ist, das hat die illustre Schar der Gäste bewiesen, die zu seiner Verabschiedung gekommen sind, um Lehmann für sein Lebenswerk die Ehre zu erweisen. "Es ist ein Abend, der für uns weniger erfreulich, für die Familie Lehmann aber sicher sehr erfreulich ist. Eine Persönlichkeit verlässt die Bühne", erklärte zum Auftakt eines besonderen Abends der Aufsichtsratsvorsitzende der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß, Franz Reck. Am 24. Dezember 1996 unterzeichnete Fritz Lehmann seinen Vertrag als Boss der Raiba in Ehingen und als Nachfolger von Albin Beck. "Damals betrug die Bilanzsumme der Bank 299 Millionen D-Mark, jetzt sind wir bei 614 Millionen Euro angekommen", betonte Reck. Die Mitarbeiterzahl habe sich verdoppelt. "Die Zahlen sprechen für sich", so Reck, der Lehmann als einen Banker mit Bedacht, Herzblut und Überzeugung bezeichnete, der eine starke Bank geformt habe. "Ihr Wort war immer mehr Wert als ein wasserdichter Vertrag", beschrieb Reck den Raiba-Boss.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Fritz Lehmann in den Ruhestand geht. Und das stimmt. Es ist ja nur ein bedingter Abschied", sagte Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann und spielte damit auf Lehmanns Funktion als Sonderbotschafter für die geplante Fusion mit der Donau-Iller Bank an. "Sie sind ein Fritz Dampf in allen Gassen. Der Name Lehmann ist in Ehingen zur Marke geworden. Sie waren stets auf Augenhöhe mit allen und dabei unkompliziert", betonte der OB, der seit 24 Jahren für die Stadt Ehingen arbeitet und somit ein Weggefährte von Lehmanns 21 Jahren als Raiba-Chef war und ist. "Sie ziehen sich aus dem operativen Geschäft zurück und wollen die Fusion nun umsetzen. Ich persönlich finde die geplante Fusion als ein Gebot der Vernunft für einen starken Bankplatz Ehingen", so Baumann.

Uwe Fröhlich, Generalbevollmächtigter der DZ Bank, sah indes den Adlersaal als passenden Ort des Abschieds für den passionierten Jäger und Angler Lehmann. "Sie sind ein hervorragender Jäger, wie der Adler. Sie wagen sich auch an große Fische. Sie sind ein Ur-Genossenschaftler und in der ganzen Geno-Gruppe bekannt. Sie waren immer ein willensstarker Banker mit dem Herz am richtigen Fleck", erklärte Fröhlich.

Ebenfalls ein Weggefährte Lehmanns ist Roman Glaser, Vorsitzender des Vorstandes des baden-württembergischen Genossenschaftsverbands, der "zutiefst beeindruckt von solch einem genossenschaftlichen Lebenslauf" ist. "Sie sind ein Charakterkopf im allerbesten Sinne. Sie sind ein Handschlag-Typ", so Glaser, der Lehmann die Ehrenurkunde des Verbandes in Gold überreichte.

Eine sehr launige Laudatio hielt Lehmanns Freund Ralph P. Blankenberg, Vorstandssprecher der Volksbank Ulm-Biberach und Vorstandsvorsitzender der Volksbanken und Raiffeisenbanken Ulm/Alb-Donau-Kreis, deren Geschenk an den Genussmenschen Lehmann ein Humidor war.

Bewegt vom Abschied seines Ziehvaters war dann auch Raiba-Vorstandsmitglied Martin Traub, der sich selbst als "Ziehsohn Lehmanns" bezeichnete und Lehmann einen Banker nannte, der stets hilfsbereit, und für ein gutes Miteinander gewesen ist. "Sie hinterlassen für mich sehr große Fußstapfen. Möge ihre letzte berufliche Herausforderung, die Fusion, Ihnen die Krone aufsetzen", so Traub.

Mit Uwe Ludwig Alheidt sprach dann ein Freund Lehmanns aus der Oberlausitz, der Lehmann als einen "besonderen Bauernsohn" ins Herz geschlossen hat. "Du bist mit Haut und Haaren Bankdirektor. Wir als Landwirte mussten Dir keine Fruchtfolge erklären und Du wusstest immer, wann wir Bauern Zeit haben - und vor allem wann nicht. Du bis einer von uns", sagte Alheidt, den Lehmann während seiner Zeit als Banker in Sachsen kennenlernte. Ganz zum Schluss eines Abends, bei dem die Adlerküche die Gäste mit Wild aus der Jagd und Fischen aus der Fischzucht Lehmanns versorgte, ergriff der Chef kurz vor Mitternacht selbst das Wort: "Es war mir eine Ehre. Ich war nie ein Banker mit Gier. Nur durch Fleiß sind die Lehmanns was geworden. Ich bin sehr stolz auf meine Familie. Es war ein toller Beruf, er war der richtige für mich", so Lehmann, der dann betonte, dass jetzt exakt der richtige Zeitpunkt für die Fusion mit der Donau-Iller Bank sei.

Roman Glaser vom baden-württembergischen Genossenschaftsverband überreicht die Ehrenurkunde in Gold.

OB Alexander Baumann und Fritz Lehmann.

Der Vorstand (v.l.): Klaus Hofmann, Fritz Lehmann mit Frau Marita und Martin Traub.  SZ-Fotos: götz