Ehemaliger Motorsportchef von Mercedes-Benz gibt Einblicke in die Formel 1

08.06.2019|SZ Ehingen (Nina Lockenvitz)

Norbert Haug spricht bei der Mitgliederversammlung der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß auch über E-Mobilität.

Über Michael Schumacher und Niki Lauda hat der ehemalige Motorsportchef von Mercedes-Benz, Norbert Haug, im Anschluss an die Generalversammlung der Raiffeisenbank am Donnerstagabend gesprochen. Dabei gab er auch seine Einschätzung, wie es mit der Elektromobilität weitergeht.

Von 1990 bis 2013 war Norbert Haug Chef des Motorsports bei Mercedes-Benz. Den Rennzirkus kennt er gut und selbst hat er viele Siege seines Teams miterlebt. Einige Jahre arbeitete er dort auch mit Michael Schumacher zusammen, den er sehr schätzt. „Er hat sich für Sport und Team eingesetzt und kannte jeden Mechaniker und auch dessen Kinder beim Namen“, sagte Haug im Interview mit SZ-Redaktionsleiter Tobias Götz. „Er hat sich selbst hinterfragt und kritisiert und das Fitnesslevel der Fahrer nach oben gebracht“, erzählte Haug von der Zeit mit Schumacher im Mercedes-Team. Dass dieser Mann bei einem lapidaren Skiunfall so schwer verletzt wurde, sei für ihn unfassbar.

Am Klavier mit einem Ex-Beatle

Sein Leben mit der Formal 1 beschreibt Haug als begeisternd und allumfassend und schwärmte vor allem von der Strecke durch Monaco und der Präzision, mit der die Rennfahrer durch die Straßen düsen. Er erzählte von ausschweifenden Partys, von denen es damals Gott sei Dank noch keine Videoaufnahmen gab. An das Jahr 1997 erinnerte sich Haug besonders gerne. Nach dem ersten Formel-1-Sieg eines Silberpfeils durch den Schotten David Coulthard in Melbourne glänzte Haug sogar als Klavierpartner des Ex-Beatle George Harrison. „Er wollte kein Bier trinken. Dann habe ich für ihn mitgetrunken“, sagt Haug über den Ex-Beatle.

Heute kann sich Haug auch für die Formel E, den Rennen mit Elektroautos, begeistern. Auch wenn da der Sound fehle und es mehr so klinge wie die Cannstatter Straßenbahn. „Die machen da einen guten Job und fahren teilweise gute Rennen“, so Haug. Ganz allgemein sei er ein Fan von Elektromobilität, solange sich dafür auch der Strom regenerativ gewinnen lasse. „Wir müssen sehen, was der Realitätscheck hergibt.“ Er plädierte aber dafür, den Status quo zu bestimmen, bevor man bei dem Thema weiter lospresche. „Wir können nicht die Luft retten, wenn wir mit der Herstellung der Batterien die Erde zerstören“, argumentierte er mit Blick auf den Lithium-Abbau. „E-Motoren und autonomes Fahren, das ist noch ein weiter Weg bis dahin“, schaut er in die Zukunft.

Eindeutig sprach er sich gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen auf deutschen Autobahnen aus. Kein Verständnis habe er jedoch für kopflose Raser. Die würde er gerne in einem Rennwagen als Beifahrer über die Nordkurve des Hockenheimringes kutschieren. Auch Autoposern, die durch Städte fahren und den Motor röhren lassen, erteilte er eine klare Absage. „Dafür habe ich null, null, null Verständnis.“

Der Publikumsfrage, wie man in Zeiten der Klimakatastrophe noch ruhigen Gewissens im Kreis fahren könne, entgegnete Haug lässig: „Wenn 20 Autos in der Formel 1 fahren, stehen dafür 200 Millionen weitere still. Die der Fernsehzuschauer.“

Norbert Haug (rechts) spricht mit Tobias Götz über die Formel 1. (SZ-Foto: meni)