Raiba Ehingen-Hochsträß zufrieden mit dem Geschäftsjahr

04.06.2019|SWP Ehingen (Stefan Bentele)

Die Bank wirtschaftet in 2018 unter erschwerten Bedingungen: Die Bilanzsumme steigt, das Betriebsergebnis sinkt. Die Fusion in Ehingen bleibt Ziel.

Eineinhalb Wochen ist es her, dass die Raiba Ehingen-Hochsträß und die Donau-Iller Bank ihre geplante Fusion überraschend abgesagt haben. Damals hieß es aus den Vorständen beider Ehinger Genossenschaftsbanken, dass man an der Fusion zu einem späteren Zeitpunkt - im Raum stehen mehrere Jahre - festhalten wolle, man sich aber derzeit in bestimmten Sachfragen nicht einigen könne. Am Montag haben Fritz Lehmann, Martin Traub und Klaus Hofmann - als sie den Geschäftsbericht 2018 ihrer Bank vorstellten diesen Standpunkt wiederholt. Hofmann sagte zum geplanten, doch gescheiterten Zusammenschluss: "Wir haben das auch erst mal verkraften müssen."

Mit Blick auf das zurückliegende Geschäftsjahr sagte Lehmann: "Wir sind ingesamt zufrieden." Er selbst sei zwar aus dem operativen Geschäfts ausgeschieden, gehe Ende des Monats in Ruhestand, er hoffe aber, zum Ergebnis beigetragen zu haben. Ansonsten verwies er auf Martin Traub und Klaus Hofmann - die seine Ansicht teilten. Begründet wurde das mit dem Wachstum der Bilanzsumme (siehe Info) von 6 Prozent zum Vorjahr, verbunden mit einem Zuwachs bei den Kundenkrediten, wie Hofmann ausführte. Gemäß Geschäftsbericht stieg das Volumen in diesem Bereich um 4,7 Prozent. Auch Wertpapiereinlagen und Kundeneinlagen verzeichneten Zuwächse. "Aber die Erträge wachsen nicht in den Himmel", sagte Hofmann und verwies auf die Niedrigzinsphase.

Allerdings hat sich 2018 das Betriebsergebnis, in der Gewinn- und Verlustrechnung unter "Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit" aufgeführt, im Vergleich zum Vorjahr mit 3,99 Millionen nahezu halbiert (2017: 7,86 Millionen Euro). Und in Folge der niedrigen Zinsen sinkt seit Jahren auch der Zinsüberschuss , eine Stellgröße für den Gewinn einer Bank. Der Wert sank erneut, in 2018 um 2,2 Prozent. Lehamm zufolge brauche man 2 Prozent Zinsüberschuss zum Überleben. Man müsse an Stellschrauben ran. Und über kurz oder lang an die Fusion. wie Hofmann ergänzte.

Der zufriedenen Einschätzung des Vorstands zur Entwicklung im vergangenen Jahr liege, sagte Hofmann weiter, auch ein Provisionsüberschuss von 8,4 Prozentpunkten zugrunde, was in der Bilanz ausgleichend wirke. Dadurch, dass die Bank mehr Kredite wie auch Anlagen am Kapitalmarkt vermittelt oder Kontoführungskosten erhöht, erzielte die Raiba mehr Provision. "Aber das wird uns nicht jedes Jahr gelingen", sagte Hofmann. Man müsse deshalb wachsen. Martin Traub stimmte zu, er betonte, dass man für Wachstum in der Zukunft "Prozesse verschlanken" müsse. Er nannte einmal mehr die Digitalisierung, zuletzt habe man Kreditakten digitalisiert. "Das sind viele Rädchen, die da ineinandergreifen." Hofmann kritisierte ferner die Bankenaufsicht, die das Abschließen von Geschäften für die Bank schwieriger gestalte, sprach von "viel Bürokratie und Hemmnissen."

Hofmann führte die positive Entwicklung in 2018 auch darauf zurück, dass man "zum Glück in einer prosperierenden Region lebt". Privat- und Firmenkunden gehe es gut, die Geschäfte liefen rund. Traub sieht kein Ende in Sicht, wenngleich "die ganz gute Phase schon etwas hinter uns liegt". Private Kunden nutzen Kredite für den Wohnungsbau, und auch Gewerbetreibende nehmen Geld in die Hand, um es in den Wohnungsbau zu investieren. "Die Entwicklung wird anhalten, weil die Zinsen anhalten werden."

Neue Immobilieneigentümer

Lehmann macht hierfür "Sorgenkinder" innerhalb Europas verantwortlich, allen voran Italien. Deutschland profitiere zwar davon, Spielraum gebe es so im Krisenfall ab keinen. "Der Staat kommt halt immer zu spät." Er sagte aber auch, dass die Phase Vorteile habe, vor allem für Menschen, sie sich vor zehn oder mehr Jahren noch keine Immobilie leisten konnten. Diese haben mit einem derzeitigen Bauzins von etwa 1,2 Prozent auf zehn Jahren gesehen nun eine solchen Chance, argumentierte Lehmann. Vor 20 Jahren habe der Zins noch bei 7 Prozent gelegen. "Wir haben derzeit aber keine Blase", sagte Hofmann.

Die Ergebnisse in Zahlen

Statistik

Bilanzsumme: 649,95 Millionen Euro (Vorjahr 613,27 Mio); Betriebsergebnis 3,99 Mio (7,86 Mio); Kundeneinlagen 464,95 Mio (434,39 Mio); Kundenkredite 426,95 Mio (407,8 Mio); davon gewerbliche 220,55 Mio (218,24 Mio) und Wohnungsbau 166,26 Mio (152,35 Mio); Zinsüberschuss 11,82 Mio (12,09 Mio); Provisionsüberschuss 3,92 Mio (3,62 Mio); Eigenkapital laut Bilanz 57,26 Mio (54,94 Mio); Mitgliederzahl 11 171 (10 943); Mitarbeiter insgesamt umgerechnet in Vollzeit 97 (97); Geschäftsstellen inklusive Hauptstelle 12 (12), Geldautomaten 12 (12)