Raiba peilt mehr Wachstum an

04.06.2019|SZ Ehingen (Tobias Götz)

Nach der gescheiterten Fusion blickt die Bank mit guten Zahlen in die Zukunft.

Mit viel Wachstum will die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß in die Zukunft starten. Das haben die Vorstandsmitglieder Martin Traub und Klaus Hofmann sowie der scheidende Chef Fritz Lehmann am Montag deutlich gemacht. Das abgeschlossene Geschäftsjahr 2018 hat der Genossenschaftsbank gute Zahlen und Wachstum gebracht, allerdings geht der Zinsüberschuss immer weiter zurück.

„Das Jahr 2018, zu dessen Ergebnis ich noch beigetragen habe, war ein gutes Jahr. Die Bilanzsumme ist gewachsen, ebenso die Kundenkredite und Kundeneinlagen“, sagt Fritz Lehmann, der Ende des Monats in den Ruhestand gehen wird. Die Chefetage der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß wird dann aus Martin Traub und Klaus Hofmann bestehen - beiden sind ebenfalls mit dem bisher Erreichten zufrieden - allerdings mit Einschränkungen. „Die Erträge wachsen nicht mehr wie die Bäume in den Himmel. Der Druck auf das Zinsergebnis wird höher. Uns ist es aber gelungen, den Rückgang im Zinsüberschuss durch einen Zuwachs im Provisionsgeschäft auszugleichen“, sagt Klaus Hofmann und erklärt: „Für die Zukunft ist nun wichtig, dass wir unsere Kosten im Blick behalten und weiter wachsen, um die Ergebnisse ausgleichen zu können.“ Will heißen: Nach der geplatzten Fusion mit der Donau-Iller Bank wird die Raiba nun versuchen, mit gleicher Mannschaft mehr Geschäft umzutreiben, wie es Klaus Hofmann ausdrückt. „Hinzu kommt, dass wir unsere Prozesse verschlanken müssen. Das müssen wir tun, um den ganzen Apparat zu tragen“, betont Martin Traub. Dass die Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß trotz der Wettbewerbssituation mit anderen Kreditinstituten seit Jahren ständig wachsende Zahlen vermelden kann, hat laut Klaus Hofmann mehrere Gründe. „Es liegt natürlich auch an der prosperierenden Region, in der wir leben. Den Kunden geht es wirtschaftlich gut, sowohl im privaten, als auch im geschäftlichen Bereich. Seit zehn Jahren herrscht Hochkonjunktur, ganz speziell im Alb-Donau-Kreis, wo die Konjunktur besonders stark ist. Wir leben in einer Glücksregion mit Vollbeschäftigung“, erklärt Klaus Hofmann. Sein Kollege Martin Traub ergänzt in diesem Zusammenhang: „Der wohnwirtschaftliche Bereich ist natürlich noch immer sehr stark. Sowohl privat, als auch geschäftlich werden hier große Investitionen getätigt. Wir müssen uns nur anschauen, wie sich der Geschosswohnungsbau in den vergangenen zehn Jahren allein in Ehingen entwickelt hat.“

Ob und wie das Wachstum der Wirtschaft weitergehen wird, darüber können die Chefs der Raiba auch nur spekulieren. „Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass die Europäische Zentralbank eine frühere Anspassung der Zinsen vornehmen wird. 2019 wird es wohl keine Zinserhöhung geben und 2020 wohl nicht sofort. Das alles ist aber Spekulation“, macht Traub deutlich. Fritz Lehmann verweist indes auf die finanziellen Probleme mehrerer europäischer Länder. „Wir in Deutschland haben quasi schon Überinvestitionen. Irgendwann kommt hier die Bremse“, so Lehmann, der auch im Ruhestand einen kritischen Blick auf die Entwicklungen haben möchte.

Momentan, so Traub, sei beim privaten Hausbau eine Festschreibung der Zinsen auf zehn Jahre die Regel, zusammen mit den Verbundpartnern könne aber auch eine Festschreibung von 30 Jahren angeboten werden. „Wir haben aber auch die Verantwortung, Menschen bei einem Kredit abzuweisen, wenn es nicht finanzierbar ist“, betont Hofmann, der erklärt, dass die Kunden der Bank „geschützt sind“, was enorme Zinssprünge anbelange. „Wir sehen schon Ansätze einer Immobilienblase. Es ist aber noch nicht gefährlich. Positiv ist doch, dass sich Bevölkerungsschichten Wohneigentum leisten können, die es bisher nicht konnten“, so Hofmann.

Dass die Raiba in Sachen Immobilenkauf selbst neue Geschäftsfelder erschließen kann, kommentiert Hofmann so: „Wir müssen hier die Kirche im Dorf lassen. Wir sind immer noch ein Kreditinstitut und wollen unser Eigenkapital durch Immobilienkäufe nicht blockieren.“ In Sachen Geldanlage empfehlen die Banker weiterhin einen soliden Fonds, längerfristig angelegt.

Die geplante und dann geplatzte Fusion mit der Donau-Iller Bank vor rund zwei Wochen, beschäftigt die Raiba weiterhin. „Das müssen wir erstmal verkraften. So etwas geht an einem nicht spurlos vorbei“, sagt Klaus Hofmann, der unterschiedliche Reaktionen bekommen hat: „Es gab Mitarbeiter, die es schade fanden, wir hatten aber auch Fusionsskeptiker, die erleichtert gewesen sind.“ Martin Traub betont, dass der Trend schon dahingehend gewesen sei, dass die Fusion bei den meisten als notwendig erachtet wurde. Was aber noch nicht ist, kann ja noch werden - schließlich wollen beide Banken freundschaftlich in die Zukunft gehen.

Bei der Generalversammlung am Donnerstag, 6. Juni, um 19.30 Uhr in der Ehinger Lindenhalle wird Norbert Haug im Interview über die Mobiliät im Wandel, seine Zeit als Motorsportchef von Mercedes-Benz und weitere Themen als Stargast des Abends sprechen.

Zahlen & Fakten der Raiba Ehingen-Hochsträß

Bilanzsumme (+6,0 Prozent)

2018: 649 950 000 Euro

2017: 613 269 000 Euro

Kundenkredite (+ 4,7)

2018: 426 953 000 Euro

2017: 407 802 000 Euro

gewerblich: 220 547 000 Euro

Wohnungsbau: 166 262 000 Euro

Betreutes Kundenkreditvolumen (+ 4,5)

2018: 583 555 000 Euro

2017: 559 111 000 Euro

Eigenkapital (+ 4,2)

2018: 57 255 000 Euro

2017: 54 939 000 Euro

Zinsüberschuss (- 2,2)

2018: 11 823 000 Euro

2017: 12 088 000 Euro

Mitarbeiter: 116 (119)

Dividende: vier Prozent

Geschäftsstellen: 12 (12)

Geldausgabeautomaten: 12 (12)

Geschäftsanteile: 29 992 (29 710)

Die Chefetage der Raiba (v.l.): Martin Traub, Klaus Hofmann und Fritz Lehmann, der Ende des Monats in den Ruhestand geht. (SZ-Foto: Götz)