Über die Geheimnisse des Gehirns

21.07.2019|SWP Ehingen (Renate Emmenlauer)

Erwachsene müssen Förderer und Begleiter für Kinder sein. Das sagte Laura Walk zum Thema „Wie Kinder (erfolgreich) lernen“ bei der Aktion „Bildung stärken“.

Mit einem Gedächtnisspiel startete Laura Walk, Diplom-Sportwissenschaftlerin am Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen an der Uni Ulm, in ihren Vortrag „Wie
Kinder (erfolgreich) lernen“ bei der Preisverleihung der Aktion „Bildung stärken“ am Mittwoch
(wir berichteten). Die Referentin war zum dritten Mal bei einem Vortrag in der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß zu Gast.

Sie forderte die Anwesenden zum Mitmachen auf. Zu drei Farben gehörten Anforderungen wie Kniebeugen, mit dem Po wackeln sowie an Nase und Ohr fassen. Das funktionierte gut. Dann vertauschte sie die Farbkärtchen, und schon fing das Durcheinander an. „Hinter so einem scheinbar einfachen Spiel steckt weit mehr als nur die Motorik. Die Nervenzellen im Gehirn müssen sich spontan umorientieren“, sagte Laura Walk. Dabei werde man immer handlungsfähiger. „Auch in der Zeit, in der ich Ihnen was erzähle, arbeiten Ihre Nervenzellen
rasend schnell.“

Nach den Leitsätzen „Man wird, was man tut“ und „Man ist, was man hat“ lerne das Gehirn
unaufhörlich dazu. Das regelmäßige Trainieren vergrößere die Gehirnregion. „Und je früher und intensiver, umso besser“, sagte die Wissenschaftlerin. Etwa sei erwiesen, dass bei Musikern, die vom frühen Kindesalter an ein Instrument erlernen, das Zentrum für Musik im Gehirn weit ausgeprägter ist. Bereits im zweiten Lebensjahrzehnt nehme die Lernfähigkeit
ab, ab Mitte 50 gravierend. „Man braucht dann zwar länger zum Lernen, aber die Resultate
sind ebenso erfolgreich.“

Sie beantwortete die Frage „Wir lernen Kinder?“ selbst: Sie lernten am besten über Motivation und Erfolgserlebnisse, zudem, wenn sie eigenständig sein dürften. Wichtig sei, dass Erwachsene Vorbilder sind. „Schon die Kleinsten schauen sich alles bei den Großen ab.“ Im Gehirn gebe es das Arbeitsgedächtnis, das die Informationen kurzzeitig speichert
und weiterverarbeitet. Und unter anderem die kognitive Flexibilität mit der Gabe, sich auf
neue Situationen und Anforderungen einzustellen.

Laura Walk rundete ihren Vortrag mit einem Fingerspiel ab, bei dem man einem Nebensitzer abwechselnd den Daumen und den Zeigefinger entgegenstrecken musste. Das wurde mit jeder Sekunde schwieriger. Den Abschluss bildete das knifflige „Geräusche-Orchester“ und der Rat von der Neurowissenschaftlerin: „Üben, üben, üben mit Spaß und mit allen Sinnen.“ Zum Handy-Hype mahnte sie: „Wer viel am Handy rumspielt, hat für andere schönere Dinge weniger Zeit.“

Aktives Publikum: Die Referentin forderte die Zuhörer in der Raiffeisenbank zum Mitmachen auf – und die ließen sich nicht zweimal bitten. Fotos: Emmenlauer